Die Musterlösung zeigt den Weg – gehen müssen Sie ihn selbst
Musterlösungen gehören für viele Teilnehmer zur Prüfungsvorbereitung selbstverständlich dazu. Nachdem eine Aufgabe bearbeitet wurde, wird das eigene Ergebnis mit der Lösung verglichen.
Stimmt das Ergebnis überein, wird die Aufgabe als erledigt betrachtet.
Doch genau hier liegt ein häufiger Fehler.
Eine Musterlösung kann Ihnen zeigen, wie eine Aufgabe gelöst wurde. Sie erklärt jedoch nicht automatisch, warum dieser Lösungsweg richtig ist.
Wer Musterlösungen nur zum Vergleichen nutzt, verschenkt wertvolles Lernpotenzial.
Das richtige Ergebnis bedeutet nicht automatisch, dass Sie die Aufgabe verstanden haben
Viele Teilnehmer freuen sich verständlicherweise, wenn ihre Lösung mit der Musterlösung übereinstimmt.
Das ist ein gutes Zeichen – aber noch kein Beweis dafür, dass das Thema wirklich verstanden wurde.
Stellen Sie sich folgende Fragen:
- Könnten Sie den Lösungsweg jemand anderem erklären?
- Würden Sie die Aufgabe auch lösen können, wenn einzelne Werte verändert würden?
- Würden Sie den richtigen Ansatz finden, wenn die Aufgabe anders formuliert wäre?
Wenn Sie diese Fragen sicher beantworten können, haben Sie nicht nur gerechnet, sondern verstanden.
Musterlösungen verleiten zum passiven Lernen
Ein häufiger Fehler besteht darin, nach wenigen Minuten auf die Lösung zu schauen.
Das vermittelt schnell den Eindruck:
"Jetzt ist mir alles klar."
Tatsächlich haben Sie in diesem Moment häufig nur den Lösungsweg wiedererkannt.
Beim nächsten ähnlichen Beispiel entsteht dann erneut Unsicherheit.
Lernen wird erst dann nachhaltig, wenn Sie sich zunächst selbst intensiv mit einer Aufgabe beschäftigen und erst anschließend die Musterlösung zur Kontrolle nutzen.
So nutzen Sie Musterlösungen richtig
Eine Musterlösung sollte immer der letzte Schritt sein – nicht der erste.
Bewährt hat sich folgende Vorgehensweise:
1. Aufgabe vollständig selbst bearbeiten
Versuchen Sie zunächst, die Aufgabe ohne Hilfe zu lösen.
Auch wenn Sie nicht zum vollständigen Ergebnis kommen, trainieren Sie dabei Ihr betriebswirtschaftliches Denken.
2. Erst dann die Musterlösung vergleichen
Vergleichen Sie nicht nur das Endergebnis.
Achten Sie besonders auf den Lösungsweg.
Fragen Sie sich:
- Habe ich denselben Ansatz gewählt?
- Warum unterscheidet sich mein Lösungsweg?
- An welcher Stelle bin ich falsch abgebogen?
Oft beginnt ein Fehler bereits bei der Interpretation der Aufgabenstellung.
3. Verstehen statt abschreiben
Viele Teilnehmer übertragen den richtigen Lösungsweg einfach in ihre Unterlagen.
Das bringt nur wenig.
Versuchen Sie stattdessen, jede einzelne Rechen- oder Entscheidung nachvollziehen zu können.
Gerade in der Kostenrechnung lohnt es sich zu überlegen,
- warum eine bestimmte Bezugsgröße verwendet wird,
- weshalb Gemeinkosten verteilt werden oder
- welche Aussage eine Kennzahl liefert.
So entsteht nachhaltiges Verständnis.
Beispiel aus der Kostenrechnung
Sie berechnen den Materialgemeinkostenzuschlag und erhalten ein anderes Ergebnis als die Musterlösung.
Viele Teilnehmer suchen jetzt lediglich nach einem Rechenfehler.
Viel wichtiger ist jedoch die Frage:
Warum unterscheiden sich die Ergebnisse?
Vielleicht wurde
- eine Kostenart falsch eingeordnet,
- eine Bezugsgröße verwechselt,
- eine Angabe aus der Aufgabenstellung übersehen oder
- eine Gemeinkostenposition falsch berücksichtigt.
Wer diese Ursache erkennt, lernt deutlich mehr als durch das bloße Abschreiben des richtigen Ergebnisses.
Die wichtigste Frage nach jeder Aufgabe
Nach jeder bearbeiteten Aufgabe sollten Sie sich eine einzige Frage stellen:
Warum ist dieser Lösungsweg richtig?
Wenn Sie diese Frage beantworten können, werden Sie ähnliche Aufgaben künftig deutlich sicherer bearbeiten.
Falls nicht, lohnt es sich, das Thema noch einmal zu wiederholen.
Lernen Sie auch aus richtigen Lösungen
Selbst wenn Ihre Lösung vollständig richtig war, können Sie noch etwas lernen.
Überlegen Sie beispielsweise:
- Gibt es einen einfacheren Lösungsweg?
- Welche betriebswirtschaftliche Aussage steckt hinter dem Ergebnis?
- Wie würde sich das Ergebnis verändern, wenn sich einzelne Werte ändern?
- Welche typische Prüfungsfrage könnte der Prüfer zusätzlich stellen?
Mit diesen Überlegungen vertiefen Sie Ihr Verständnis erheblich.
Fehler sind wertvolle Lernchancen
Viele Teilnehmer ärgern sich über falsche Lösungen.
Dabei sind Fehler oft der wichtigste Teil des Lernprozesses.
Jeder Fehler zeigt Ihnen,
- welche Zusammenhänge noch nicht sicher sind,
- welche Begriffe verwechselt wurden oder
- an welcher Stelle Ihr Verständnis noch verbessert werden kann.
Deshalb sollten Fehler nicht möglichst schnell korrigiert, sondern sorgfältig analysiert werden.
Fazit
Musterlösungen sind ein wertvolles Hilfsmittel für die Prüfungsvorbereitung.
Sie ersetzen jedoch nicht das eigene Nachdenken.
Wer Lösungen lediglich abschreibt oder nur das Endergebnis kontrolliert, lernt häufig weniger als möglich wäre.
Nutzen Sie Musterlösungen deshalb als Werkzeug zur Selbstkontrolle und zur Analyse Ihrer Denkweise.
Denn nicht die richtige Zahl entscheidet über Ihren langfristigen Lernerfolg, sondern das Verständnis des Lösungswegs.
Genau dieses Verständnis hilft Ihnen später auch bei Prüfungsaufgaben, die Sie noch nie zuvor gesehen haben.
Kostenfreie Unterstützung zur Prüfungsvorbereitung
Kostenfreie Unterstützung zur Prüfungsvorbereitung gibt es dienstags in unseren folgenden Veranstaltungen.

